Der Caritasverband für die Stadt Köln trauert um seinen ehemaligen Direktor
Mit großer Trauer haben wir vom Tod unseres ehemaligen Caritasdirektors Pfarrer Franz Decker erfahren, der am 15. Juni 2026 im Alter von 83 Jahren verstorben ist.
Pfarrer Franz Decker hat den Caritasverband für die Stadt Köln nachhaltig geprägt. Er war Gestalter und Netzwerker, Visionär und Praktiker, Priester und Sozialpolitiker zugleich. Vor allem aber war er ein Mensch, der anderen zuhörte, ihnen etwas zutraute und sie ermutigte, ihren eigenen Weg zu gehen.
Von 2000 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2011 prägte er den Caritasverband für die Stadt Köln in außergewöhnlicher Weise. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen engagierten Gestalter, sondern vor allem einen Menschen, der viele Kolleginnen und Kollegen durch seine Haltung, seine Menschlichkeit und seine tiefe Überzeugung nachhaltig geprägt und beeindruckt hat.
Im Herzen Seelsorger
Als Pfarrer Franz Decker die Leitung des Caritasverbandes übernahm, brachte er die Erfahrung von mehr als zwei Jahrzehnten als Pfarrer und Jugendseelsorger mit. Diese Prägung blieb während seiner gesamten Amtszeit spürbar. Auch als Direktor und Vorstandsvorsitzender blieb er im Herzen Seelsorger. Er verstand die Caritas nicht allein als Organisation, sondern als lebendigen Ausdruck gelebter Nächstenliebe und als einen Ort, an dem Menschen Menschenfreundlichkeit erfahren können.
Pfarrer Franz Decker übernahm Verantwortung für den Verband in einer Zeit großer Herausforderungen. Mit Weitblick und Beharrlichkeit führte er eine umfassende organisatorische Neuausrichtung durch und entwickelte aus vielen einzelnen Einrichtungen und Diensten einen stärker vernetzten, handlungsfähigen Gesamtverband. Sein Ziel war eine Caritas, die wirtschaftlich verantwortungsvoll arbeitet, um ihren eigentlichen Auftrag erfüllen zu können: Menschen in Not beizustehen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Er verstand es, soziale Themen in Köln immer wieder auf die öffentliche Agenda zu bringen und war überzeugt, dass die Caritas ihre Stimme dort erheben muss, wo Menschen keine Fürsprecher haben.
Besonders am Herzen lag ihm die Verbindung von Caritas und Pastoral. Er setzte sich für eine enge Zusammenarbeit zwischen den sozialen Diensten, den Kirchengemeinden und vielen weiteren Akteurinnen und Akteuren in den Sozialräumen der Stadt ein.
Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit
Ebenso früh erkannte er die Bedeutung von Migration und gesellschaftlicher Vielfalt für die Zukunft der Caritas. Er engagierte sich für die interkulturelle Öffnung des Verbandes und entwickelte die Tradition des Kölner Caritasverbandes als wichtiger Träger von Angeboten für Menschen mit Migrationsbiographie und Geflüchtete konsequent weiter. Sein Engagement reichte dabei weit über Köln hinaus und fand auch auf diözesaner Ebene große Anerkennung.
Sein Glaube war geprägt von Vertrauen und Offenheit, nicht von Ausgrenzung. Er kämpfte leidenschaftlich gegen soziale Ungerechtigkeit und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gleichzeitig begegnete er Menschen mit Respekt, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Lebensweg oder ihrer religiösen Bindung und setzte Zeichen für eine offene und vielfältige Caritas.
Über diese vielfältigen organisatorischen Entwicklungen hinaus wird Pfarrer Decker auch wegen seiner beeindruckenden Persönlichkeit in Erinnerung bleiben.
Viele Kolleginnen und Kollegen beschreiben ihn als einen Vorgesetzten und Kollegen, der das Gespräch suchte, Fragen stellte und daran interessiert war zu verstehen, was andere bewegte. Vorgefasste Meinungen waren ihm fremd. Wer gute Argumente hatte, konnte ihn überzeugen. Er vertraute auf die Kompetenz seiner Mitarbeitenden und verstand Führung als gemeinsames Entwickeln von Ideen und Lösungen.
Kunst als Möglichkeit, Menschen zu stärken
Viele erinnern sich an ihn als einen Seelsorger im besten Sinne des Wortes. Er hatte die Gabe, Menschen zu ermutigen und ihnen etwas zuzutrauen. Sein Interesse galt immer dem Einzelnen und dessen Möglichkeiten. Er war überzeugt, dass jeder Mensch Fähigkeiten und Potenziale in sich trägt, die entdeckt und gefördert werden müssen.
Diese Haltung spiegelte sich auch in seinem besonderen Interesse an Kunst und Kultur wider. Projekte wie die Tanzinitiative „come 2 move“, an der hunderte Kinder und Jugendliche beteiligt waren, lagen ihm ebenso am Herzen wie Kooperationen mit kulturellen Einrichtungen der Stadt. Kunst verstand er als Möglichkeit, Menschen zu stärken, neue Perspektiven zu eröffnen und Selbstvertrauen wachsen zu lassen.
Auch sein Einsatz für soziale Innovationen bleibt unvergessen. Ob die Unterstützung von Kölsch Hätz und die Förderung neuer Formen der Nachbarschaftshilfe, die Weiterentwicklung der Beschäftigungshilfen für Menschen mit Behinderung oder sein Engagement für Jugendliche in Köln: Er war bereit, neue Wege zu gehen, wenn sie den Menschen dienten.
Er bezog Position, wenn es nötig war. Er scheute keine Debatten und vertrat seine Überzeugungen mit Mut und Leidenschaft – gegenüber Politik, Verwaltung, Kirche und manchmal auch innerhalb der eigenen Reihen. Gleichzeitig blieb er immer offen für andere Sichtweisen und den gemeinsamen Dialog.
Chef, Wegbegleiter und Seelsorger
Wer mit ihm zusammenarbeitete, erinnert sich nicht nur an den Direktor, sondern an einen warmherzigen Menschen, einen klugen Gesprächspartner, einen überzeugten Christen und einen leidenschaftlichen Anwalt derjenigen, deren Stimme oft zu wenig gehört wird. Für viele Kolleginnen und Kollege war er Chef, Wegbegleiter und Seelsorger zugleich.
Wir sind dankbar für alles, was Pfarrer Franz Decker für die Caritas Köln, für die Stadt Köln und für die Menschen, die hier leben und arbeiten, geleistet hat, und für die Spuren, die er in unserem Verband hinterlassen hat. Sein Wirken wird bestehen: in den Strukturen, die er aufgebaut hat, in den Projekten, die er angestoßen hat, und vor allem in den Erinnerungen der Menschen, die ihm begegnen durften.
Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen, Freundinnen und Freunden sowie allen, die ihm verbunden waren.
Wir werden Pfarrer Decker als außergewöhnlichen Menschen in dankbarer Erinnerung behalten und sein ehrendes Andenken bewahren.
Markus Peters Markus Nikolaus
Vorstand des Caritasverbandes für die Stadt Köln
Foto: Peter Rakoczy